Nicole Giuliani gehört zu den prägenden HR-Persönlichkeiten im Schweizer Gesundheitswesen. In unserer Serie «10 Fragen an…» gibt die Leiterin Human Resources von HOCH Health Ostschweiz Einblicke in ihre Führungsphilosophie, ihre Erfahrungen aus grossen Veränderungsprojekten und ihre Sicht auf die Zukunft des HR.
1. HR-Credo: Was ist dein persönliches HR-Credo in einem Satz?
HR ist dann wirksam, wenn es Menschen stärkt, Führung gezielt unterstützt und die Entwicklung des Unternehmens aktiv mitgestaltet.
2. Kultur in einem Satz: Wenn eure Kultur ein Gericht wäre – welches wäre es?
Ein Risotto: Es braucht gute Zutaten, Geduld und kontinuierliche Aufmerksamkeit. Erst durch das Zusammenspiel entsteht etwas Verbindendes, das mehr ist als die Summe der einzelnen Bestandteile.
3. Tool‑Diät: Welches Tool würdest du heute streichen, um Fokus zu gewinnen?
Nicht ein einzelnes Tool, sondern unverbundene Insellösungen. Zu viele Systeme erzeugen Schnittstellen, Doppelspurigkeiten und unnötige Komplexität. Weniger Tools, klare Prozesse und eine einheitliche, verlässliche Datenbasis machen HR deutlich wirkungsvoller.
4. KI im HR: Welches KI-gestützte Tool nutzt du am liebsten – und warum?
ChatGPT, vor allem als Sparringpartner. Es hilft mir, Gedanken schneller zu strukturieren, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und erste Entwürfe effizient weiterzuentwickeln. Entscheidend bleibt aber die kritische Prüfung durch den Menschen.
5. HR mit Mehrwert: Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, bei dem HR einen messbaren Unterschied gemacht hat?
Bei der Zusammenführung der Spitalorganisationen hat HR die Führungskräfte eng begleitet, insbesondere in anspruchsvollen Personalsituationen und Veränderungsprozessen. Durch frühzeitige Beratung, klare Entscheidungsgrundlagen und eine abgestimmte Kommunikation konnten Unsicherheiten reduziert, anspruchsvolle Fälle schneller geklärt und die Handlungsfähigkeit der Linie gestärkt werden. Der Mehrwert zeigte sich in tragfähigeren Lösungen und einer verlässlicheren Umsetzung der Veränderung.
6. Kennzahl mit Sinn: Welche eine HR‑Kennzahl verfolgst du jede Woche – und warum genau diese?
Ich tracke keine einzelne HR-Kennzahl wöchentlich. Aussagekräftig wird HR-Steuerung erst durch die Gesamtsicht auf Stellenbestand, offene Stellen, Fluktuation, Krankheitsstand, Personalkosten und die Leistungsentwicklung der Kliniken. Erst diese Zusammenhänge zeigen, wo Handlungsbedarf besteht und HR wirksam unterstützen kann.
7. HR-Agenda 2026: Welche Themen stehen ganz oben auf deiner HR-Agenda für 2026?
Die Weiterentwicklung unseres HR-Betriebsmodells, einfachere und stärker digitalisierte Prozesse sowie der gezielte Einsatz von KI stehen weit oben auf unserer Agenda. Gleichzeitig beschäftigen uns die Weiterentwicklung unserer Führungs- und Zusammenarbeitskultur und die Frage, wie wir Mitarbeitende in einem komplexen Gesundheitsumfeld langfristig gewinnen, entwickeln und halten.
8. HR-Revolution: Wenn du HR komplett neu denken könntest, wie würdest du es verändern?
Ich würde HR konsequent aus Sicht der Mitarbeitenden und Führungskräfte gestalten. Neue digitale Tools und KI eröffnen die Möglichkeit, Anliegen einfacher zu steuern und den Zugang zu HR deutlich zu vereinfachen. Im Hintergrund braucht es klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Prozesse und eine nahtlose Zusammenarbeit. Im Vordergrund steht eine einfache, kompetente und möglichst direkte Unterstützung.
9. Blick in die Zukunft: Wie wird sich HR in den nächsten 10 Jahren verändern?
Standardprozesse und administrative Aufgaben werden weitgehend automatisiert sein. HR wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern anders gefordert. Im Zentrum stehen Organisationsentwicklung, Führung, Kultur, Veränderungsfähigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten und Technologie. Gleichzeitig wird die persönliche Beratung bei anspruchsvollen Situationen an Bedeutung gewinnen.
10. Empfehlung: Welches Buch, welcher Podcast oder Film hat dich zuletzt inspiriert?
«Der KI-Podcast» von BR24 und SWR. Ich schätze die verständliche und gleichzeitig kritische Einordnung aktueller Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Besonders interessiert mich, wie wir KI sinnvoll nutzen können, ohne Verantwortung, Urteilsvermögen und den menschlichen Blick aus der Hand zu geben.
Zur Person
Nicole Giuliani
Leiterin Bereich Management Services und Leiterin Human Resources
Nicole Giuliani prägt seit über zwei Jahrzehnten das Personalwesen im Ostschweizer Gesundheitsbereich. Heute ist sie Leiterin des Bereichs Management Services und Leiterin Human Resources bei HOCH Health Ostschweiz sowie Beisitz der Geschäftsleitung. Zuvor leitete sie während vieler Jahre das HR des Kantonsspitals St. Gallen und verantwortete die Zusammenführung der vier HR-Organisationen der St. Galler Spitalverbunde zu einem HR. Ihr besonderes Engagement gilt wirksamer Führung, der gezielten Entwicklung von Mitarbeitenden und Führungskräften sowie einem wertschätzenden Arbeitsumfeld.
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