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Fachartikel

27. Mai 2026 | HR Campus

HR-Insights: 10 Fragen an Julien Rosselet

Julien Rosselet, HR-Leiter bei der Fondation Les Perce-Neige, spricht über die Themen, die das HR aktuell wirklich bewegen. In unserer Serie «10 Fragen an…» geben HR-Leitende aus der Schweiz Einblick in ihre Prioritäten, Herausforderungen und Perspektiven.

1. HR-Credo: Was ist dein persönliches HR-Credo in einem Satz? 

Unklarheit kostet mehr als Klarheit – sowohl für Teams als auch für die Organisation.

2. Kultur in einem Satz: Wenn eure Kultur ein Gericht wäre – welches wäre es? 

Ein Schmorgericht: reichhaltig, aus hochwertigen Zutaten zubereitet und voller unterschiedlicher Kompetenzen. Manchmal bruacht es jedoch mehr Struktur, damit es sein volles Potenzial entfalten kann.

3. Tool‑Diät: Welches Tool würdest du heute streichen, um Fokus zu gewinnen? 

Diese Formulare, die man ausdruckt, nur um sie danach wieder einzuscannen. Sie stehen sinnbildlich für Tools, die Kontrolle vortäuschen, aber Entscheidungen nicht wirklich verbessern.

4. KI im HR: Welches KI-gestützte Tool nutzt du am liebsten – und warum? 

LLMs – insbesondere Euria von Infomaniak ist definitiv einen Blick wert. Ich nutze sie oft, um meine Botschaften zu schärfen und meine Denkweise zu hinterfragen.Sie helfen mir, eine zu stark HR-geprägte Perspektive zu verlassen und näher an den Realitäten es Arbeitsalltags zu bleiben.

5. HR mit Mehrwert: Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, bei dem HR einen messbaren Unterschied gemacht hat? 

Ein konkretes Beispiel ist die strukturierete Rückkehr nach längeren Abwesenheiten. Wenn der Kontakt gehalten wird und sowie die Fähigkeiten der Person als auch mögliche Anpassungen der Stelle geklärt sind, gelingt der Wiedereinstieg früher und nachhaltiger. Das reduziert die Abwesenheitsdauer messbar.

6. Kennzahl mit Sinn: Welche eine HR‑Kennzahl verfolgst du jede Woche – und warum genau diese? 

Ganz konkret schaue ich mir jede Woche zwei Dinge an: das Feedback des HR-Teams und den Fortschritt des Lohnprozesses. Das Feedback zeigt, was im Arbeitsalltag passiert. Der Lohnprozess hilft, mögliche Blockaden frühzeitig zu erkennen, bevor sie zum Problemen werden.

7. HR-Agenda 2026: Welche Themen stehen ganz oben auf deiner HR-Agenda für 2026? 

Ganz oben steht die Vereinfachung und Digitalisierung der HR-Prozesse. Sie sollen klarer, effizienter und im Arbeitsalltag hilfreicher werden.

8. HR-Revolution: Wenn du HR komplett neu denken könntest, wie würdest du es verändern? 

Ich würde HR aus den Büros holen. HR schafft dann echten Mehrwert, wenn es direkt in den Teams wirkt: indem es Orientierung gibt, Praktiken strukturiert und Menschen sowie Führungskräfte konkret unterstützt, ohne sie zu ersetzen. Gleichzeitig würden digitale Tools den Teams mehr Autonomie bei einfachen administrativen Aufgaben geben.

9. Blick in die Zukunft: Wie wird sich HR in den nächsten 10 Jahren verändern? 

In zehn Jahren werden administrative HR-Aufgaben weitgehend automatisiert sein. Der Mehrwert von HR liegt dann nicht mehr in der Ausführung, sondern darin, Praktiken zu strukturieren, Führungskräfte zu begleiten und Kompetenzen weiterzuentwickeln. Je leistungsfähiger die Tools werden, desto wichtiger werden Klarheit und verbindliche Rahmenbedingungen. HR wird in Prozessen weniger sichtbar sein, in seiner Wirkung aber deutlich entscheidender.

10. Empfehlung: Welches Buch, welcher Podcast oder Film hat dich zuletzt inspiriert?

Ich empfehle The No Asshole Rule von Robert Sutton. Hinter dem provokativen Titel steckt eine starke Erinnerung daran, wie sehr Verhalten die kollektive Leistung beeinflusst. Etwas ungewöhnlicher, aber ebenfalls inspirierend, sind die Romane von Terry Pratchett. Sie beleuchten menschliche und organisationale Dynamiken auf feine und treffende Weise.

Zur Person

Portrait von Julien Rosselet

Julien Rosselet

HR-Leiter

Julien ist HR-Leiter bei der Fondation Les Perce-Neige. Aus seinem ersten Beruf als Goldschmied hat er sich einen pragmatischen Blick, einen konkreten Ansatz und den Anspruch an hochwertige Arbeit bewahrt. Sein Hintergrund in Arbeits- und Laufbahnpsychologie sowie rund 15 Jahre HR-Erfahrung helfen ihm, die operativen Realitäten des Arbeitsalltags und die organisatorischen Dynamiken komplexer Strukturen zu verstehen. Derzeit absolviert er einen EMBA an der EPFL, um sein Verständnis für übergreifende Fragen der Unternehmensführung zu vertiefen. Er ist überzeugt, dass Human Resources nicht nur begleiten, sondern auch strukturieren und Klarheit schaffen müssen. Deshalb setzt er sich dafür ein, Organisationen verständlicher, kohärenter und verantwortungsfördernder für Führungskräfte zu gestalten.

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