Viele HR Trendstudien sind inspirierend – aber sie spiegeln selten die Realität wider, die wir täglich bei unseren Kunden erleben. Inspiration allein schafft noch keinen geschäftlichen Nutzen. Wir wollen, dass HR einen klaren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann. Deshalb haben wir dorthin geschaut, wo die strategischen Prioritäten tatsächlich entstehen: in die Chefetagen Schweizer Unternehmen.
Wir haben analysiert, was Schweizer CEOs bewegt, Studien und Konjunkturprognosen ausgewertet und mit unseren Kunden gesprochen. Daraus haben wir sechs Themen abgeleitet, die auf der HR Agenda 2026 stehen sollten.
Was bewegt die Schweizer CEOs 2026?
Bevor wir zur HR Agenda kommen, wollen wir einen Blick darauf werfen, was die Schweizer CEOs bewegt. Während ich diesen Artikel schreibe, läuft das WEF 2026 – und die aktuelle geopolitische Lage prägt die Schlagzeilen. Auch CEOs reagieren darauf.
1. Geopolitische Unsicherheit
Geopolitische Spannungen sind 2026 das Top Risiko.
Im September 2025 nannten 52 % der CEOs internationale Konflikte als grösste Herausforderung, 34 % Handelskonflikte . In einer weiteren Studie hat sich die Zahl der CEOs, die geopolitische Risiken als kritisch einstufen, innerhalb eines Jahres verdoppelt . Nach den jüngsten Entwicklungen dürften die Werte weiter steigen.
Die Folge: Langfristige Investitionen im Ausland, Lieferketten und Absatzprognosen sind schwer kalkulierbar. Jahrzehntelange Selbstverständlichkeiten werden in Frage gestellt.
2. Makroökonomische Unsicherheit
Auch makroökonomische Risiken bleiben hoch. Wie entwickeln sich Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Arbeitslosenquote und Zinsen & Wechselkurse? Das SECO spricht in seiner aktuellen Konjunkturprognose von «grosser Unsicherheit». Die Arbeitslosenquote ist von durchschnittlich 2.4 % (2024) auf 2.8 % (2025) gestiegen und dürfte 2026 3.1 % erreichen.
Die Folge: Grosse Investitionen werden nur zögerlich vorangetrieben und finanzielle Stabilität steht im Vordergrund. Zudem wechseln wir von einem Arbeitnehmer zu einem Arbeitgebermarkt.
3. KI – Hohe Erwartungen, geringe Wirkung
Nur 30 % der CEOs sehen KI als Fokusthema . Liest man aber zwischen den Zeilen, spürt man einen Fokus auf Effizienzsteigerung. KI soll dafür die Lösung sein. So setzen 88 % bereits KI ein, doch nur 39 % erzielen eine messbare EBIT Wirkung – meist bleibt diese unter 5 %. Nur wenige Unternehmen schaffen es heute die technischen Möglichkeiten in Resultate zu übersetzen.
Die Folge: Unternehmen müssen KI Investitionen priorisieren, dort mutig sein, wo ein hoher Nutzen erwartet wird, Governance etablieren und den Sprung von Pilotprojekten zu skalierter Produktivität schaffen.
4. Cyberrisiken – Die grösste Bedrohung
Cyberrisiken gelten 2026 als grösste Unternehmensbedrohung . Die Angriffe haben sich 2025 verdoppelt, werden gezielter und teurer. Besonders kritisch sind Angriffe über Drittanbieter – Fälle wie Radix oder Xplain zeigen, wie Datenlecks oder Betriebsstörungen über externe Partner eskalieren.
Die Folge: Geschäftsleitungen müssen Cyberrisiken als strategisches Unternehmensrisiko begreifen – inklusive Lieferkettenkontrolle, Notfallorganisation, finanzieller Absicherung und erhöhter Vorstandspriorität.
Fazit
2026 geht es für Geschäftsleitungen nicht um mehr Optionen, sondern um klare Prioritäten und robuste Vorbereitung auf Unsicherheit.
Was gehört also auf die HR-Agenda 2026?
Wir glauben an ein HR, das echten Mehrwert schafft. Auf Basis der Themen, die Schweizer CEOs bewegen, gehören 2026 folgende sechs Schwerpunkte auf die HR Agenda:
1. Effizienz – Effizientes HR mit Mehrwert und produktive Mitarbeitende fördern
Viele unserer Kunden befinden sich in Kostenspar-Programmen. HR sollte proaktiv handeln, bevor Benchmarks Einschnitte erzwingen. Das heisst für dich:
- HR-Prozesse vereinfachen
- HR Dienstleistungen unternehmerisch bewerten (Kosten vs. Nutzen)
- Produktive Mitarbeitende gezielt fördern – u. a. über gute Mitarbeitergespräche
2. KI & Technologie - Einsatz im HR und Auswirkung auf Jobs & Skills kennen.
Das zweite grosse Thema am WEF geht fast unter: KI. Wir sehen drei Kundentypen:
- IT rennt voraus, der Business Case für HR ist aber zu schlecht
- IT bremst und HR treibt selbst
- Es passiert nichts
In allen drei Fällen gilt für dich:
- Treib KI im HR und fang an auszuprobieren. Such dir deine Use Cases und informier dich, über KI in deinem Software-Portfolio.
- Treib KI im Unternehmen. Befähige Mitarbeitende für KI und gestalte die Skillverschiebung aktiv.
3. Finanzielle Stabilität - Plan für M&A Aktivitäten haben. Umfassende Personalkostenplanung sicherstellen.
Trotz Unsicherheit steigt die Zahl der M&A Deals. HR wird oft spät eingebunden – muss dann aber sofort liefern.
Daher:
- Früh klären, ob Kauf- / Verkaufsabsichten bestehen
- HR Due Diligence vorbereiten (Personalkosten, Risiken, Systemintegrationskosten)
- Bei Verkaufsabsicht: Effizienz erhöhen und Strukturen klar darstellen
Personal ist oft der grösste Kostenblock in Unternehmen und die Planung liegt bei Finanzen. Fang an das Thema proaktiv zu managen. Sei dies über Stellenplan, oder sogar über ein Personalkostenplanungstool mit Szenarioplänen.
4. Compliance & Cybersecurity - Sinnvollen Rahmen schaffen (z.B. Workation, Arbeitszeiten) & HR-Daten schützen und Mitarbeitende schulen.
In Bezug auf Cybersecurity ist der Fahrplan klar:
- Schule alle Mitarbeitenden
- Setz dich mit den Schutzmechanismen deiner HR Softwareanbieter auseinander
Compliance ist komplexer. Mitarbeitende fragen nach mehr, Führungskräfte sind überfordert und wollen Regeln zu Home Office, Workation, etc. Gib dort einen Rahmen, wo sinnvoll. Und achte darauf, dass er für die Mehrheit passt.
5. Erfolgreiche Projekte - Projektmanagement im Unternehmen fördern. HR-Projekte schlank und effizient umsetzen.
Projekte, die im zeitlichen und kostenmässigen Rahmen sind, entscheiden über den unternehmerischen Erfolg. Du hast zwei Stellhebel:
- Projektmanagement‑Kompetenzen im Unternehmen fördern
- Ein Projektportfolio Management für HR aufbauen.
6. Kultureller Wandel - Unternehmertum fördern & Mindset auf Volatilität vorbereiten.
Das Umfeld bleibt volatil: geopolitisch, wirtschaftlich und technologisch. Unternehmen brauchen Mitarbeitende, die Verantwortung übernehmen, mutig entscheiden, Kundenfokus zeigen und mit Unsicherheit umgehen können.
HR kann viel bewirken, etwa durch:
- Gezielte Führungskräfteentwicklung
- Anpassung der Recruiting Kriterien
- Integration von Unternehmertum in Performance und Talentprozesse
- Förderung einer Lern und Feedbackkultur
Was bewegt deine:n CEO? – Frag doch mal nach. Und stell dir deine HR-Agenda 2026 zusammen!
Autorin
Anja Buser
Consulting Strategies
Anja liebt es Herausforderungen zu lösen. Im Privaten, aber vor allem im Beruflichen. So begleitet sie als Strategie Beraterin bei HR Campus HR-Abteilungen beim Beantworten diverser Fragestellungen. Unter anderem auch dabei sich im Dschungel der HR Tools zurechtzufinden. Nebenbei macht es Anja wahnsinnig Freude Texte zu schreiben oder als Moderatorin und Key Note Speakerin auf Bühnen zu stehen.
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